Die Schule des Lebens 

Am 27. Februar fand in unserer Aula ein bewegendes Zeitzeugengespräch statt. Frau Michaela Vidláková berichtete den anwesenden Schülerinnen und Schülern der Oberstufe und des 10. Jahrgangs von ihren Erlebnissen während des Zweiten Weltkriegs. 

Michaela Vidláková wurde am 30. Dezember 1936 in Prag als jüdisches Einzelkind geboren. Eindrücklich schilderte sie die Folgen der diskriminierenden Verbote und Anordnungen durch die Nationalsozialisten, die Prag im Jahr 1939 besetzt hatten. Im Dezember 1942 wurde sie als Sechsjährige gemeinsam mit ihren Eltern in das KZ Theresienstadt deportiert, wo sich bereits ihre Großeltern befanden. 

Sie berichtete von alltäglichen Gegenständen – etwa einer Lupe zum Entzünden eines Feuers –, die ihre Eltern mit nach Theresienstadt gebracht hatten und die dort plötzlich einen völlig neuen Wert bekamen. Ebenso schilderte sie von ihrem Leben im Kinderheim und wie mutige Erwachsene die Kinder trotz bestehender Verbote heimlich unterrichteten. Diese Zeit beschreibt sie im Nachhinein als die „Schule des Lebens“. Nur dem Umstand, dass ihr Vater der sogenannten „Verschönerungsaktion“ zugeteilt wurde, ist es zu verdanken, dass die Familie – im Gegensatz zu ihren Großeltern – nicht in ein Vernichtungslager überführt wurde, weshalb Frau Vidláková zu den wenigen Kindern aus Theresienstadt gehört, die den Holocaust überlebt haben. 

Die Schülerinnen und Schüler folgten den ergreifenden Erzählungen aus der Perspektive eines Kindes aufmerksam. Frau Vidláková zog dabei Parallelen zur Gegenwart und machte deutlich, dass reines Erinnern nicht ausreicht. Vielmehr brauche es ein fortwährendes Engagement und das aktive Eintreten für freiheitliche Werte. 

Das Zeitzeugengespräch bot nicht nur wertvolle historische Einblicke, sondern auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen und die Möglichkeit, in den Austausch zu kommen. Für alle Beteiligten war es eine eindrucksvolle und nachhaltige Erfahrung – und ein wichtiger Beitrag zur gelebten Erinnerungskultur an unserer Schule.